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Römische Landnutzung

Landnutzung im Umfeld eines römischen "Industriereviers"

In dem Gebiet zwischen Andernach am Rhein und Mayen am Rande der Eifel bestand eines der großen Abbaureviere für mineralische Rohstoffe im Nordwesten des Römischen Reiches. Diese Aktivitäten dürften mit einem wesentlichen Zuzug von Personen verbunden gewesen sein. Nicht nur die Steinbrüche und Töpfereien boten Arbeitsplätze. Weiterverarbeitende sowie zuliefernde Betriebe, Aufbau und Instandhaltung einer umfassenden Infrastruktur ebenso wie Handel und Verkehr benötigten eine große Zahl von Arbeitern und Spezialisten. Auch ist mit einer deutlich gestiegenen Anzahl von Nutz- bzw. Arbeitstieren zu rechnen. Diese Entwicklung wurde ab der Spätantike durch einen weiteren wichtigen Wirtschaftszweig nochmals gefördert: Die Massenproduktion von Gebrauchskeramik in den Töpferbezirken von Mayen.

Die intensive Nutzung der mineralischen Rohstoffe muss erhebliche Auswirkungen auf die römische Landnutzung gehabt haben. Dies führt zu den zentralen Fragen des Projektes: Wie konnte die regionale Land- und Forstwirtschaft den wirtschaftlichen Boom tragen und welche Auswirkungen hatte dies auf die Umwelt?

Für die Klärung dieser Fragen wurde das Segbachtal bei Mayen ausgesucht. Es zeichnet sich durch zahlreiche römische Fundstellen ebenso aus wie durch seine Nähe zu den bedeutenden römischen Mühlsteinbrüchen. Darüber hinaus ist das noch heute vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Tal vom modernen Bimsabbau verschont geblieben und nur noch hier sind siedlungsarchäologische Studien im größeren Stil möglich.

Die seit langem als römische Trümmerstelle bekannte, doch erst durch geophysikalische Untersuchungen überraschenderweise als Axialanlage identifizierte villa rustica von Mendig, „Lungenkärchen“, gehört in ihrer Gesamtkonzeption und ihrer Ausstattung zu den reichsten römischen Gutshöfen Deutschlands. Das über 70 Meter lange Hauptgebäude wird von zwei Reihen mit mindestens jeweils drei Nebengebäuden (Abb. 6) umgeben. Mit einem fast 40 Meter langen Zierbecken vor dem Haupthaus wies die Anlage einen hoch repräsentativen Charakter auf, der auch durch in der Beckenverfüllung gefundene Architekturfragmente belegt wird. Zusammenhänge zu den Basaltsteinbrüchen lassen sich bisher durch Fragmente von Mühlsteinrohlingen annehmen, die möglicherweise als Ausschussware in den Fundamenten eines Nebengebäudes verwendet wurden. Zusammen mit anderen, schon länger bekannten Großvillen in der direkten Nachbarschaft zeichnet sich nun eine ganz ungewöhnliche Massierung repräsentativer Landsitze der Römerzeit in der Region von Mayen ab. Dies könnte man so sehen: Während im Mayener vicus die Steinbrucharbeiter lebten, deuten reiche Grabdenkmäler und Villen auf eine Ansässigkeit der Steinbruchbesitzer im untersuchten Umland Mayens.

Ausführlichere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Römisch-Germanischen Zentralmuseums

 

Abbildungsunterschriften:

  1. Mendig, „Im Winkel“, Grabungsarbeiten im Bereich des Hauptgebäudes
  2. Mendig, „Lungenkärchen“, Nebengebäude 3 mit Blick auf Mendig