VULKANPARK – natürlich einzigartig…

Woher stammte dieser Reichtum? Prunk und Protz im Mayener Umland zur Römerzeit

Im Gebiet zwischen Andernach am Rhein und Mayen am Rande der Eifel bestand eines der großen Abbaureviere für mineralische Rohstoffe im Nordwesten des Römischen Reiches. Hier identifizierten Archäologen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums kürzlich die seit langem als römische Trümmerstelle bekannte „villa rustica“ von Mendig als einen der reichsten römischen Gutshöfe Deutschlands.

Aus heutiger Sicht sind die Dimensionen dieses Gutshofes enorm: Ein über 70 Meter langes Hauptgebäude wird von zwei Reihen mit mindestens jeweils drei Nebengebäuden umgeben. Ein fast 40 Meter langes Zierbecken vor dem Haupthaus weist auf den repräsentativen Charakter des Gutshofes hin.

Woher stammte dieser Reichtum? Welcher Römer oder Kelte konnte sich so etwas leisten? Die Steinbrüche des nahe gelegenen Kottenheimer Winfelds lassen die Vermutung keimen, dass die Basaltlava des Bellerberg-Vulkans bereits in der Antike „schwarzes Gold“ war. Dieser Zusammenhang lässt sich durch Fragmente von Mühlsteinrohlingen herstellen, die – als Ausschussware – in den Fundamenten eines Nebengebäudes verwendet wurden. Wer auch immer der Gutsherr war, er wusste vom Abbau des Vulkangesteins zu profitieren.

Damit war er zwar überdurchschnittlich erfolgreich, aber nicht alleine. Die ganze Umgebung scheint einen Wirtschaftsaufschwung erfahren zu haben. Zusammen mit anderen bekannten Großvillen in direkter Nachbarschaft zeichnet sich nämlich eine ungewöhnliche Häufung repräsentativer Landsitze aus der Römerzeit in der Region von Mayen ab.

Woher der Reichtum des Gutsherrn der Villa Rustica stammte, ist damit jedoch nicht geklärt. Fest steht, dass der antike Wirtschaftsaufschwung mit einem Zuzug von Menschen verbunden gewesen war. Nicht nur Steinbrüche und Töpfereien boten Arbeitsplätze, auch weiterverarbeitende und zuliefernde Betriebe, Aufbau und Instandhaltung einer umfassenden Infrastruktur sowie Handel und Verkehr benötigten eine große Zahl von Arbeitern. Die intensive Nutzung der vulkanischen Gesteine muss also erhebliche Auswirkungen auf die römische Landnutzung gehabt haben. Die zentrale Frage lautet also: Wie konnte die regionale Land- und Forstwirtschaft den wirtschaftlichen Boom tragen und welche Auswirkungen hatte dies auf die Umwelt?

Das Segbachtal zeichnet sich durch zahlreiche römische Fundstellen ebenso aus wie durch seine Nähe zu den großen römischen Mühlsteinbrüchen. Als Standort bot es sich für gewiefte Gutsherren daher an, um vom Boom der Abbauaktivitäten zu profitieren. Die Bedeutung des Mühlstein-Geschäfts zeigt sich auch in der Errichtung eines weiteren Gutshofes in unmittelbarer Nähe, der derzeit ausgegraben wird. Dieser Standort wurde auch nicht aufgegeben, als das Gebäude gegen 260 n. Chr. nieder brannte. Um die Ernährung der Steinbrucharbeiter sicherzustellen, baute man dort einen stark befestigten Kornspeicher, dessen 1,4 m starke Mauern noch bis ins 5. Jahrhundert Schutz vor Feinden boten.

Die Geschichte der Nutzung der vulkanischen Gesteine durch den Menschen ist spannend und wird durch die Funde im Segbachtal um eine Facette bereichert. Wer mehr über andere Rohstoffe und Epochen erfahren möchte, sollte seine archäologische Entdeckungsreise im Vulkanpark Infozentrum oder dem Römerbergwerk Meurin beginnen.

Download PDF-Datei

Zurück zur Übersicht